
Weiße Rose
Wer lehrte Dich, weiße Rose, so zu
strahlen?
So zart, so fein, wie des Schmetterlings
Nerven,
- Du bist zu schön, brauchst nicht zu
prahlen -
ohne auch nur einen Schatten zu werfen.
In Deinen Blättern spiegelt sich wieder,
was mein Herz sich kaum erdacht,
in des Lebens auf und nieder,
hat kein Wesen solch Zauber vollbracht.
Weiße Rosen kreisen nun durch meinen
Geist,
sie säumen meinen Weg - wohin soll ich
mich wenden?
Und all meine Träume werden von ihnen
bereist,
Oh welch edlen Duft, welch herrliches
Licht sie spenden!
So muß ich denn tanzen, lachen und
singen,
auch wenn mir zum Weinen zu Mute wär',
versteh' nichts von Liebe und solchen
Dingen,
das Leben in jener Welt scheint wie eine
Mär.
Für wen, oh edles Geschöpf, blühst Du?
Warum darf ich nicht derjenige sein?
Meine Seel' kennt weder Glück noch Ruh',
denn Bewunderung allein bringt sie nicht
ein.
Blüh' Du nur fort auf Deiner Reise,
gar mancher möcht' gern bei Dir wohnen.
Doch ich will suchen die friedsame
Weise,
in welcher sich die Herzen schonen.

Selige Sehnsucht
Sag es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendige will ich preis
en,
Das nach Flammentod sich sehnet.
In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.
Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Gedicht von Johann Wolfgang Goethe

Schmetterling
Etwas verschüttet hinter Mauern
der Enge
Der Nacht entgegen
Licht entrückt in eine Welt die verloren
geglaubt
reißende Mauern
fallende Furcht
Blumen recken zarte Blüten in das
leichte Licht
Etwas verschüttet zugelassen
gelebtes Gefühl ohne Angst
unbekümmerte Liebe umströmt Trümmer
Blumen stark voller Schönheit zieren
das Grau des Steins
Flügelschlag eines Schmetterlings
läßt die Nacht versinken

Aber der Schmetterling ist auch ein
Sinnbild der Unsterblichkeit der Seele
und ihrer ewigen Verjüngung.
Heinrich Heine
(1797-1856), 1831

Insekten unter sich
Und da sagte die Mücke zum
Schmetterling
ich lebe nur ein paar Wochen
aber ich habe in all dieser Zeit
eine Menge Leute gestochen
Der Schmetterling seufzte
heut fühl ich mich so erschöpft und
matt
bin gegen den Wind geflogen
und dieser rauhe Sturmwind hat
mir den Schmelz von den Flügeln
gezogen
Libellen flogen tief überm Gras
flirrende schillernde Kreise
kicherten über ich weiß nicht was
flüsterten ganz ganz leise
Ein Spinnerich lauerte im Gesträuch
hoffte auf schmackhafte Beute
wisperte irgendwann Kriege ich euch
vielleicht ja sogar schon heute
Dem kribbelnden krabbelnden Fußvolk im
Sand
fehlt die Zeit miteinander zu
schwätzen
sie leben wenn ich sie richtig
verstand
nach völlig anderen Gesetzen
Und die Mücke mußte für ihren Tick
mit dem fleißigen Stachel zu prahlen
auf einen Schlag noch am gleichen Tag
mit ihrem Leben bezahlen!
Von Rosa
Posekardt

